Autorenherbst bei Daub

Seit langem schon in trockenen Tüchern, seit einiger Zeit bereits als Flyer, zu Deutsch „Flugblatt”, in gedruckter Form im Umlauf, jetzt steht endlich steht der erste Termin vor der Tür: Der Autorenherbst der Buchhandlung Daub.

Das Mendener Druckhaus Schmücker hat mit der Herstellung des Flyers wieder einmal bewiesen, dass hier Profis am Werk sind. Dieser Flyer ist klar strukturiert, ist plakativ und informativ.

Der Autorenherbst beginnt am 30. September mit Sebastian Fitzek. Er kommt um 19.30 in den Bürgersaal und bringt seinen aktuellen Besteller „Der Augensammler” mit.

Alle Veranstaltungen:

 

Karin Drolshagen sprach schon 2009 mit Andreas Wallentin, dem Organisator des Mendener Autorenherbstes:

Andreas Wallentin ist nicht nur der Besitzer der Buchhandlung Daub, er setzt sich im Initiativkreis Mendener Wirtschaft für die Stadt, in der er aufgewachsen ist ein. Andreas Wallentin hat Lesungen mit sehr berühmten, mehr und weniger bekannten Autoren in Menden etabliert. Diese Autorenlesungen haben u.a. zu einer freundschaftlichen Verbindung zur WDR- Rundfunk und Fernsehmoderatorin Christine Westermann geführt und dazu, dass der „Buchhändler ihres Vertrauens” seit etwa einem Jahr am letzten Samstag und Sonntag im Monat zusammen mit ihr „ihre persönlichen Lesefrüchte” im WDR vorstellt. Hat jemand, der so aktiv ist, überhaupt ein Privatleben? Karin Drolshagen hat mit Andreas Wallentin gesprochen.

Wann waren Sie zuletzt im Kino?

Wallentin: „Wir – meine Frau, unsere Tochter und ich – gehen immer im Urlaub ins Kino. Ich erinnere mich noch gut an ,Das fliehende Pferd’, da haben meine Frau und ich öfter mal überlegt, ob das das Richtige für unsere heranwachsende Tochter ist, aber der Film war ab 12 frei gegeben… Wir haben aber auch James Bond gesehen, und ,Der seltsame Fall des Benjamin Button’.

Welchen Film finden Sie richtig gut?

Wallentin: „Die James Bond Filme, aber auch gut gemachte Literaturverfilmungen. Ich mag aber auch Filme, bei denen man so richtig schön schluchzen kann.”

Welches Buch lesen Sie aktuell, und ist es empfehlenswert?

Wallentin: „Ich mag Kino im Kopf, nichts anderes ist Lesen. Spannend ist es auch, mit anderen über Bücher zu reden, ob in der Familie, im Freundes-, Kollegen- oder im Kundenkreis. Im Moment kann ich ,Zwei an einem Tag’ von David Nicolls empfehlen, ein Buch, in dem lachen und weinen ganz nah beieinander liegen. – Wobei das überhaupt nicht kitschig ist. Kitsch ist ganz schrecklich! ;Zwei an einem Tag’ haben wir übrigens auch in unserer Büchersendung empfohlen.”

Welche Art Bücher legen Sie schnell wieder weg?

Wallentin: „Wenn ich nach spätestens 30 Seiten nicht gefesselt bin, hat das Buch keine Chance. Und: Kunstsprache mag ich gar nicht, wenn jemand extrem künstliche Wortgebilde aufbaut…”

Welches Buch nehmen Sie immer wieder mal zur Hand?

Wallentin: „Es gibt ein Buch, das mich als jungen Menschen in Hinsicht auf Liebe und Nächstenliebe fasziniert und geprägt hat: Krabat von Otfried Preußler. Und, auch wenn es abgedroschen klingt, das Buch der Bücher, ,Die Bibel’ – da steckt soviel Weisheit drin.

Lesen Sie auch Zeitschriften?

Wallentin: „Ja, die ,Brigitte’ zum Beispiel – die Mode- und Kosmetik-Seiten überschlage ich, aber alles andere finde ich durchaus geeignet, den Horizont zu erweitern. Einen Montag ohne den „Spiegel” kann ich mir gar nicht vorstellen, den habe ich schon als Kind meinem Vater abgemobst. Cicero, Stern, Geo Saison – ach, reisen ist so schön! Ich würde gern mal den Indian Summer in Nordamerika erleben…”

Gehen Sie auch mal ins Konzert, Kabarett, Theater?

Wallentin: „Zunächst einmal sind viele Abende durch das Geschäft belegt – da komme ich selten vor 20 Uhr raus – und durch die vielen ehrenamtlichen Tätigkeiten. Ich habe aber Supertramp, Dire Straits und Peter Gabriel live erlebt. Allerdings hatte ich hinterher Hörprobleme… Ich mag Jan Gabareks ,Officium’, höre populären Jazz von Doldinger, ansonsten eher ernste Musik – Beethoven, Mozart, Dvorák, Bruckner – und würde gerne viel öfter ins Konzerthaus nach Dortmund und ins Theater nach Bochum fahren.

Bei welchem Lied singen Sie heimlich mit?

Wallentin: „Meine Tochter sagt, ich singe nur Kirchenlieder…”

Aber es gibt doch sicher auch deutsche Interpreten…

Wallentin: „Ja, Leute wie Reinhard Mey, Klaus Hoffmann, Georg Danzer, Hermann van Veen, gern auch Udo Jürgens. Mir ist Wohlklang wichtig. Natürlich gefallen mir auch aktuelle Titel, aber ich kann die oft nicht zuordnen. Beim Kabarett bevorzuge ich Könner wie Hildebrandt, Beikircher, gefällt mir, Hüsch fand ich gut. Die ,Drei alten Schachteln’ mit Brigitte Mira, Evelyn Kühnecke und Helen Vita haben mir sehr gut gefallen. Aber ,Comedians’ wie Mario Barth, Ingo Apelt – nein, das ist nichts für mich.”

Warum organisieren Sie Lesungen?

Wallentin: „Zunächst, ich mache es sehr sehr gerne. Und, es gibt so viele interessierte Menschen hier in Menden, denen man doch was anbieten muss. Also organisiere ich die Veranstaltungen auch für meine Kunden, denn denen fühle ich mich verpflichtet. Für mich ist es ganz wichtig, dass meine Kunden mit uns bei Daub zufrieden sind. Ich möchte 100 Prozent bringen. Aus den Kontakten mit den Kunden schöpfe ich ja auch Kraft. Wenn einer dieser Faktoren wegfallen würde, könnte ich die Kraft für die Planung und Organisation der Lesungen aber nicht aufbringen und würde auch wegen des enormen finanziellen Risikos das ganze reduzieren.

Und die Kontakte zu den Autoren?

Wallentin: „Da gibt es inzwischen so viele Geschichten zu erzählen. Man lernt die Autoren ja immer auch irgendwie privat kennen. Uta Ranke-Heinemann setzte sich zum Beispiel – aus Angst vor Bakterien – auf der Wilhelmshöhe auf eine Plastiktüte. Rolf Zacher hat mitten in der Nacht beim Apotheken-Notdienst einen Schlaftee gekauft und wollte sich wundern, angesichts einer Apothekerin, die sehr nüchtern auf ihn, den ,großen’ Rolf Zacher reagierte… Dieter Hildebrandt erkennt mich nach einer Vorstellung in einem Dortmunder Restaurant und plaudert nett mit uns. Mit Rafik Schami und seiner Familie ist ein sehr vertrauensvolles Verhältnis gewachsen. Hera Lind hat sich abends nach der Lesung verabschiedet und hat, ohne sich bei mir oder im Hotel abzumelden, die Stadt verlassen.”

Was können Sie kochen?

Wallentin: „Auch fürs Kochen hätte ich so gerne mehr Zeit. Gerne, aber viel zu selten, kochen wir gemeinsam, das macht richtig Spaß. Spagetti mit einer selbstgemachten Pesto zum Beipsiel esse ich gerne, aber auch eine mediterane Gemüsepfanne. Fleisch nur in Maßen und gerne Fisch.”

Interessieren Sie sich für Sport?

Wallentin: „Wenn es möglich ist, laufe ich, fahre gerne Fahrrad und bin seit Jahren in einem Tennisclub, habe da noch nie dort gespielt, weil ich, wenn ich nach hause komme, dann auch gerne mit meiner Familie zusammen bin.”

Und was wollten Sie immer schon mal sagen?

Wallentin: „Wie wichtig mir meine Familie ist und wieviel mir unsere Freunde bedeuten. Und, dass ich glücklich bin, hier in Menden als Buchhändler und Mensch etwas für meine Stadt und die Menschen hier tun zu dürfen. Wenn wir alle gemeinsam nach vorne schauen, zwar bereit sind, aus Fehlern der Vergangenheit lernen, diese Fehler einander aber nicht nachtragen, können wir in Menden und für Menden viel mehr erreichen. Nur gemeinsam sind wir stark und machen unser Menden zu einer starken Stadt in Südwestfalen.”

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