Mendener Trauercafé resümiert
Sie haben den Sprung ins kalte Wasser gewagt und haben es nicht bereut. „Wir haben nicht einmal allein hier gesessen. Es war immer jemand da, der mit uns über seine Trauer sprechen wollte”.
Aus den Reihen des Mendener Hospizkreises hatten sich vor zwei Jahren einige Frauen entschlossen, ein Trauercafé einzurichten. Einen Ort, eine Gelegenheit, über einen schmerzhaften Verlust nachzudenken, zu reden oder zu schweigen, eine Gelegenheit, Trauer zu be- und verarbeiten; denn am Ende jeder Trauerzeit sollte – eigentlich – wieder der Spaß am Leben stehen.
„Hier wird auch herzhaft gelacht!” nehmen die Frauen jedem, der glaubt, in den Räumlichkeiten des Altenheims St. Vincenz würde ausschließlich „harte Kost” verdaut, den Wind aus den Segeln.
Jedoch ist der Tod eines nahestehenden, eines geliebten Menschen ein wahrlich „guter Grund”, traurig zu sein. „Doch unsere Gesellschaft kann mit Menschen, die Schwäche zeigen, immer schlechter umgehen. Da sagen die eigenen Kinder, die nächsten Freunde: ,Jetzt kann ich es aber bald nicht mehr hören, wie du jammerst und weinst.’ Wir halten das aus. Wir hören zu und sprechen dann, wenn wir gefragt werden, wir erwarten gar nichts. Wir wollen einfach nur da sein!”
An jedem ersten und dritten Samstag im Monat (auch an Feiertagen!) sind – in wechselnder Zusammensetzung – Riitta Brall, Marion Dingel, Sonja Dingel, Elisabeth Günter, Gabi Haber, Gisela Kämmerling, Beate König und Schwester Maria Virgina von 15 bis 17 Uhr für Menschen da, die mit dem Abschiedsschmerz nicht fertig werden, die Mühe haben, unbeschwert den Alltag zu gestalten, die keine Ziele mehr haben, traurig, wütend, einsam sind.
„Manche trauen sich erst gar nicht hinein, kommen dann aber über einen langen Zeitraum immer wieder. Eine Frau war lange Zeit regelmäßig hier, dann tauchte sie erst nach einem Jahr wieder auf – nur um uns zu sagen, wie sehr wir ihr geholfen haben”, freuen sich die Frauen, die bereit sind, sich mit gesundem Menschenverstand und großen Herzen auf jeden Menschen einzulassen, der stets und ständig, irgendwie, immer mal wieder oder auch nur ab und zu oder völlig überraschend furchtbar traurig ist, „nur” weil er jemandem nicht einmal mehr einen Guten Tag wünschen kann…
Man trifft sich am Tisch, kann zuhören, was die anderen reden, in Ruhe Vertrauen fassen, schweigen, solange man möchte und reden, so viel man möchte. Es gibt die Gelegenheit zu Einzelgesprächen, es gibt die Möglichkeit, sich untereinander auszutauschen. „Alles ist möglich”, betonen die Frauen, die das Trauercafé selbstverständlich als geschützten Raum , aus dem Persönliches und Privates nicht an die Öffentlichkeit gerät, verstehen. Damit sie selbst nicht in Gefahr kommen, mit-zu-leiden, reflektieren sie regelmäßig – auch gemeinsam mit einem Profi. Denn das Trauercafé soll ja helfen, die Trauer zu wandeln, nicht, sie zu verlagern.















