Mendener Bauhütte nur noch auf dem Papier existent

23. April 2010 | Kultur | Von Karin Drolshagen

Kunstinteressierte Mendener haben schon lange nichts mehr von der Mendener Bauhütte gehört und fragen sich, ob es die eigentlich noch gibt. „De jure – ja, de facto – nein” sagt Theo Schmücker, einer der wenigen, die bis vor kurzem noch häufiger Kontakt zum Vorsitzenden Jörg-Elmar Westermayer hielten. Der Inhaber des Druckhauses Schmücker ist seit vielen Jahren Mitglied der Bauhütte und war vor zwei Jahren vom Mendener Amtsgericht angeschrieben worden – mit der Bitte, als Notvorstandsmitglied in Aktion zu treten, damit der Vorstand handlungsfähig sei. Eine Klage war damals anhängig.
„Ich habe das abgelehnt und nichts mehr davon gehört.”
Damals war der Restvorstand um Westermayer von seinen Ämtern zurückgetreten.
Auch der damalige Kassierer, der inzwischen verstorbene Erich Oehler, hatte Westermayer die Gefolgschaft aufgekündigt. Er hatte keinen Einblick in die Bücher bekommen.
Allerdings war das nicht das einzige, was aus dem Ruder lief: „Es fand kein Vereinsleben mehr statt”, sagt Schmücker. Der Vorsitzende organisierte mit seiner Hilfe zwar noch Ausstellungen im Druckhaus, doch Mitgliederversammlungen oder gar gemeinsame Aktionen gab es längst nicht mehr.

Der Kunstverein hatte in seinen Glanzzeiten unter dem Vorsitzenden Werner Tönnesmann zahlreiche Aktivitäten durchgeführt. Kunstreisen, Ausstellungsbesuche, gemeinsames Arbeiten, eigene Ausstellungen – in der Mendener Bauhütte trafen sich die Bürger der Stadt, die kunstinteressiert und aktiv waren. In den 80er und auch 90er Jahren war die Bauhütte weit über Mendens Grenzen hinaus bekannt.

Theo Schmücker

Theo Schmücker

„Westermayer hatte ein gutes Gespür für Kunst und Künstler. Er hat tolle Fahrten organisiert und erstklassige Künstler nach Menden geholt!” bekräftigt Schmücker dessen Leistung. Doch persönliche, private, gesundheitliche Probleme haben offenbar dazu geführt, dass dem Vorsitzenden sowohl der Vorstand, als auch die Mitglieder „abhanden” kamen.

Als das Druckhaus Schmücker im Jahr 1998 aus der Innenstadt Mendens zur Franz-Kissing-Straße gezogen ist, war da plötzlich ein wunderschöner, lichtdurchfluteter Raum „über”. Als Mitglied der Mendener Bauhütte zögerte Theo Schmücker nicht besonders lange – gleich bei der ersten Vernissage einer Kalligraphie-Ausstellung von Prof. Werner Eikel, die der Mendener Kunstverein dort veranstaltetet, versprach er, den Raum so lange kostenlos zur Verfügung zu stellen, wie er ihn für die Arbeit des Druckhauses nicht braucht. Seitdem sind unzählige erst- und hochklassige Ausstellungen durch die Galerie Schmücker gewandert. „Grafik und Kunst liegen dicht beieinander”, sagt Theo Schmücker, „Typographie kann Kunst sein. Wer eine Fläche ordentlich gestaltet, ist auch künstlerisch tätig.” Doch braucht es seiner Meinung nach nicht nur Talent, sondern auch Technik, ansonsten bliebe Kunst im Zustand von Dekorations-Kunst hängen.

„Es ist im höchsten Maße bedauerlich für die Stadt Menden, dass so ein Verein sang- und klanglos untergeht”, finden nicht nur Angelika und Theo Schmücker, auch andere, ehemals sehr aktive und begeisterte Bauhütten-Mitglieder betrauern den Untergang des Mendener Kunstvereins. Angesichts der Tatsache, dass in Menden immer noch und immer wieder künstlerisch Tätige leben, umso unverständlicher, dass nichts getan wird, um die Mendener Bauhütte zu retten. „Es gibt eben immer weniger Menschen, die bereit sind, in einem Verein Verantwortung zu übernehmen. Die einen fühlen sich zu alt, die anderen haben zu viel zu tun.”

Erzählen Sie anderen von diesem Artikel! Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • del.icio.us
  • Google Bookmarks
  • YahooMyWeb
  • Digg
  • Y!GG
  • Wikio DE
  • Live-MSN
  • MySpace
  • LinkedIn
  • Facebook
  • TwitThis
  • email

2 Kommentare auf "Mendener Bauhütte nur noch auf dem Papier existent"

  1. Julia Tönnesmann sagt:

    Liebe Frau Drolshagen,
    Als Tochter von Herrn Tönnesmann muss ich leider sagen, wenn Caspar dann mit “C”. Desweiteren war nicht Caspar Tönnesmann Vorsitzender der Mendener Bauhütte sondern sein Vater Werner. :-)
    Ansonsten gefällt mir ihr Mendener Magazin aber wirklich gut. Ich hoffe es wird ein Erfolg.
    Mit freundlichen Grüßen,
    Julia Tönnesmann

  2. Christian Fischer sagt:

    Merci für den Hinweis – wir haben es korrigiert.

www.c-fischer.com. Internetconsulting. Webdesign. Blogs. Social Media. MediaCoaching.